Die Geschichte unseres Ortsvereins

VOM SOZIALDEMOKRATISCHEN WÄHLERVEREIN ZUM SPD-ORTSVEREIN VOHENSTRAUß

Heinrich Schulte
Heinrich Schulte

1901

Als sich nach der Gründung der Porzellanfabrik Johann Seltmann im Jahr 1901 die Arbeiterschaft in Vohenstrauß sprunghaft vermehrt, geht es mit der sozialdemokratischen Bewegung schnell voran. Vor der Reichstagswahl 1903 sind die Agitatoren aus Nürnberg wieder unterwegs. Vor allem von den Arbeitern der Seltmannfabrik wird ein sogenannter "Sozaldemokratischer Wählerverein" gegründet, um Unterstützer für die SPD zu gewinnen. Vorsitzender dieser neuen "Sektion Vohenstrauß" ist Heinrich Schulte.

Schriftliche Aufzeichnungen über diesen Zusammenschluss werden nicht angefertigt, da die Teilnehmer Unannehmlichkeiten von Seiten der Behörden und den Spott ihrer Mitbürger befürchten. Da immer noch kein Lokal für Zusammenkünfte zur Verfügung steht, müssen diese in privaten Räumen stattfinden. Überliefert sind die Namen Rensky, Schnött und Schulte.

1905 - 1918

Im Mai 1905 streiken die Glasschleifer im Bezirksamt Vohenstrauß, um höhere Löhne durchzusetzen. Mit Erfolg!

In den folgenden Jahren steigen die Mitgliederzahlen des Wählervereins rasch an. Von einer am 07. Januar 1907 stattfindenden Wählerversammlung sind etwa 400 Besucher aus Vohenstrauß und Umgebung genannt. Auch bei den Wahlen zeigen sich ähnliche Entwicklungen. Die SPD hat sich hier bereits etabliert.

 

1918 - 1933

Die SPD hat sich hier bereits etabliert. 1918 ist der Krieg zu Ende und am Ende sind auch das Deutsche Kaiserreich und seine gesellschaftliche Ordnung. Das morsch gewordene alte System bricht zusammen.

Am 07. November 1918 proklamieren die Volksmassen am Ende einer Großkundgebung in München die Errichtung des "Volksstaates Bayern" und einer "Volksregierung".

Der Arbeiter- und Soldatenrat ruft am 8. November die souveräne "Bayerische Republik" aus. Kurt Eisner, Führer der "Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei" in München wird erster republikanischer Ministerpräsident des Freistaates Bayern. Überall im Land organisieren sich Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte. Auch in Vohenstrauß bildet sich ein Arbeiterrat, sowie ein "Rat Geistiger Arbeiter", der die Interessen der am Ort zahlreich vertretenen Beamtenschaft vertritt. Der Arbeiterrat eregt im April 1919 Aufsehen, weil er nach Bildung der ersten bayerischen Räterepublik am 07. April 1919 auch in Vohenstrauß die Räteherrschaft ausruft, diesen Entschluss aber auf Drängen des "Rates der Geistigen Arbeiter" und des Bezirksbauernrates schnell wieder zurücknehmen muß.

Der Erste Weltkrieg hat einen Rückschlag für den SPD-Ortsverein gebracht, doch nach Kriegsende kommt die Partei im Zuge des gesellschaftlichen und politischen Umsturzes in Deutschland zur vollen Entfaltung. Nun beginnt auch die erste Blütezeit für die Vohenstraußer SPD. Für den 12 Januar 1919 sind Wahlen zum Bayerischen Landtag anberaumt -die ersten allgemeinen, direkten und gleichen Wahlen. Frauen dürfen sich erstmals an einer Wahl beteiligen. Jahrzehntelang hatte die Sozialdemokratie für das Frauenwahlrecht gekämpft. Mit über 25 Prozent der gültigen Stimmen erzielte die SPD in der Stadt Vohenstrauß das beste Ergebnis bei Landtagswahlen in der Zeit bis 1932.

Im Januar 1919 können auch die sozialdemokratischen Reichstagskandidaten einen beträchtlichen Stimmenzuwachs verzeichnen. Mit 31,61 Prozent erzielt die SPD ihr bestes Wahlergebnis bei Abstimmungen in der Weimarer Republik.

 

Zwei "Rote" ziehen ins Rathaus ein

Bei den Stadtratswahlen im selben Jahr gelingt mit dem Ökonomen Johann Hoffmann und dem Porzellanmaler Heinrich Schulte ertsmals zwei Sozialdemokraten der Einzug ins Rathaus. Johann Hoffmann hat als Bürgermeisterkandidat knapp 20 Prozent der Stimmen errungen - bei fünf namhaften Gegenkandidaten. Heinrich Schulte vertritt die SPD zusammen mit Franz Strigl aus Pleystein im Vohenstraußer Bezirkstag. Bis 1933 bestimmen die "Roten" die Geschicke der Stadt Vohenstrauß mit, auch wenn bei den folgenden Wahlen 1924 und 1929 nur Heinrich Schulte die für ein Mandat benötigten Stimmen auf sich ziehen kann. Einen eigenen Bürgermeisterkandidaten haben die Sozialdemokraten aufgrund ihrer aussichtslosen Position nicht aufgestellt.

 

Über das Parteileben in der Zeit vor der Weimarer Republik lassen sich aufgrund fehlender schriftlicher Unterlagen kaum irgendwelche Einzelheiten ausmachen. Bestimmend waren die Wahlkämpfe, die Abhaltung von Versammlungen, die Verteilung von Flugblättern, das Kleben von Plakaten und die Teilnahme an regionalen Konferenzen und Bezirksparteitagen. Viele Aufgaben für einen kleinen Ortsverein. (1920/1921 - 34 Mitglieder). Dazu kam der Kampf gegen eine am Ort sehr starke Gruppe von Nazionalsozialisten, der viele Kräfte gebunden hat. Dieser Kampf wurde jedoch bald schon verloren, denn Vohenstrauß wurde eine der Nazi-Hochburgen in der nördlichen Oberpfalz. Bei der letzten freien Wahl am 5. März 1933 wird die NSDAP mit 37,5 Prozent die stärkste politische Kraft in der Stadt.

 

SPD-Stadtrat wird verhaftet

Laut Vohenstraußer Anzeiger vom 8. April 1933 sind nach dem Gleichschaltungsgesetz vom 2. April 1933 die Stadt- und Gemeinderäte als aufgelöst zu betrachten. Somit gilt auch der Stadtrat von Vohenstrauß als aufgelöst. Eine Neuwahl findet nicht statt, vielmehr ist für die Zusammensetzung des neuen Stadtrates das Ergebnis der Reichstagswahl vom 5. März 1933 maßgebend. Am 22. April 1933 wird im Vohenstraußer Anzeiger der neue Stadtrat bekanntgegeben. Von der Sozialdemokratischen Partei befinden sich darin die Herren Heinrich Schulte, Porzellanmaler und Leopold Pigerl, Rechtsanwalt.
Am 25. April 1933 wird während einer Stadtratssitzung Rechtsanwalt Pigerl vom Gendarmerie-Kommissar Wutzlhofer vor die Tür gebeten und in Schutzhaft genommen. Vorher hatte das Erscheinen Pigerls im Sitzungssaal bei den Zuhörern Protestrufe ausgelöst. Am 26. April 1933 wird Pigerl wieder aus der Schutzhaft entlassen; Er legt sein Stadtratsmandat nieder. Als Ersatzmann rückt Peter Führnrohr, Porzellanarbeiter, nach.

Im Vohenstraußer Anzeiger vom 22. April 1933 ist folgendes zu lesen:
"Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ist als eine staats- und volksfeindliche Partei anzusehen, die keine andere Behandlung mehr beanspruchen kann, wie sie der kommunistischen Partei gegenüber angewandt wird. Der Reichsminister des Inneren hat daher die Landesregierung ersucht, aufgrund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28.02.1933 die notwendigen Maßnahmen gegen die SPD zu treffen. Insbesondere sollen sämtlichen Mitglieder der SPD, die heute noch den Volks- und Gemeindevertretungen angehören, von der weiteren Arbeit ausgeschlossen werden."

 

1933 - das vorläufige Aus!

Am 1. Juli 1933 wurden die Sozialdemokraten Heinrich Schulte und Peter Führnrohr in das Amtsgerichtsgefängnis in Schutzhaft eingeliefert. Das war für viele das Ende der SPD in Vohenstrauß. Und für viele Jahre sollte dies offiziell auch so sein, wenngleich es insgeheim immer noch Anhänger der sozialdemokratischen Grundsätze gegeben hat, aus Angst vor den Nazis gaben sie dies jedoch nicht offen zu. Mitgliederlisten, Flugblätter, Broschüren und Fahnen wurden aus Angst vor Verhaftung und Schlimmeren vernichtet. Bekannt sind nur die Mitgliederzahlen bis 1922 (in Vohenstrauß 48) und die Zahl der SPD-Mitglieder im Bezirksamt Vohenstrauß vom 31. Dezember 1930 (acht Ortsvereine mit 104 Mitgliedern).
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird die Arbeiterbewegung zerschlagen, ihre Organisationen werden verboten, die Funktionäre ins Gefängnis oder ins KZ gesperrt. Jedoch lebte die Sozialdemokratie in vielen Köpfen weiter, darauf wartend, dass die Zeiten wieder besser werden.

 

1966 Hans-Jochen Vogel
1966 Hans-Jochen Vogel zu Besuch

Neuanfang 1946 - 1970

1946 gruppierten sich die Genossen um Heinrich Schulte, Hans Mittelmeier, Josef Decker und Leopold Pigerl neu, um den SPD-Ortsverein Vohenstrauß wieder erstehen zu lassen.
Bis zum Jahr 1966 sind keine Aufzeichnungen vorhanden, lediglich die Namen der jeweiligen Vorsitzenden sind bekannt:

1946 - 1953 Heinrich Schulte


1953 - 1963 Hans Mittelmeier


1963 - 1966 Franz Krämer

Am 01. Juli 1966 wurde Kurt Schuster zum 1. Vorsitzenden und Max Mittelmeier zum 2. Vorsitzenden gewählt. Im gleichen Jahr wurde Kurt Schuster auch zum Bürgermeisterkandidaten nominiert. Bei der Kommunalwahl im März 1966 wurden als SPD Stadträte Karl Pschibl, Hans Mittelmeier, Hans Hoch, Kurt Schuster und Alfred Sommer gewählt. Bei Kundgebungen im Jahr 1966 konnte der SPD-Ortsverein Vohenstrauß den Oberbürgermeister der Stadt Weiden, Hans Schelter, und den Oberbürgermeister der Stadt München, Hans-Jochen Vogel, begrüßen.
Die Mitgliederzahl des Ortsvereins belief sich 1966 auf 83 Personen.

 

Bitte haben sie Verständnis dafür. Diese Chronik ist noch im Aufbau und wird weiter ergänzt. Sollten sich Fehler eingeschlichen haben, bitte ich um eine kurze Mail unter rewih@t-online.de.

Ihr OV SPD Vohenstrauß

 
 

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